Passio - Augsburger Allgemeine
Alternierend dazu spielte Organist Michael Eberth, der
in vier Werken die Renaissance bis zur Schwelle zu Johann Sebastian Bach
durchschritt. Das galt auch für die Registrierung, die sich vom gedeckten,
warm-nasalen Klang in dem "Praeambulum super c" aus dem Buxheimer Orgelbuch (15. Jh.)
bis zur barocken Pracht in J. C. Kerlls Toccata in d entfaltete.
Mit weichem Spiel, farblichem Raffinement und einer ausgewogen-rechten Gewichtung
von sprudelnd umspühlenden Ornament-Kapriolen und dem säulengleich manifestierten
Choral gelang dem Spezialisten für Alte Musik eine meisterlich eindrückliche
Renaissance, als würden die Entstehungszeiten in dieser kurzen Stunde wieder lebendig.
Johann Sebastian Bach, Goldbergvariationen
DAS ZENTRUM Radstadt
Michael Eberth spielt eines der angeblich schwersten Stücke, die Bach je komponiert hat
(Stefan Heßbrüggen, CD-Klassikführer) mit einer Leichtigkeit und Selbstverständlichkeit,
dass man meinen möchte, er spiele das Stück im Schlaf. Nur die Spiegelung auf dem Cembalodeckel
beweist, dass Eberth alleine und zweihändig spielt. Sonst wäre vielleicht der Verdacht aufgekommen,
es wären mindestens 4 Hände am Werk.
Schwer vorzustellen, dass der besagte Graf bei diesen Klängen den Schlaf gefunden hat.
Die Nacht wurde ihm sicher verkürzt, denn beim lauschen dieser Cembalo-Klänge vergeht die Zeit
wie im Flug. Doch auch im Publikum ließen sich nur wenige dazu hinreißen, die Augen zu schließen
und von Goldberg zu träumen. Wie schon Heßbrüggen sagte: "Ich werde immer wacher von den Goldberg
Variationen".
Harpsichordist Eberth sparkles with singular style - Lincoln, NE Journal
The one German work on the program, Wilhelm Friedemann
Bach's "Fantasia in E Minor" was the most arresting
given its bravura gestures, which demonstrated the virtuosity
of both composer and performer
the work caused the
audience to not only sit up but do so on the edge of their
seats.
Musik aus der
Zeit des Paracelsus - Claviorganum von Joshua Pock (1591),
St. Peter Salzburg
[Michael Eberth]
stellte Beispiele aus dem Buxheimer
Orgelbuch, aus dem Basler Tabulaturbuch des Bonifacius Amerbach,
aus dem Mulliner Book, aus dem Tabulaturbuch des Jacob Paix
und Musik aus Bologna, Venedig und Neapel im 16. Jahrhundert
vor: Chansons und Liedsätze sowie Tanzstücke,
die ein lebendiges Bild der Musikkultur der Paracelsus-Zeit
zu zeichnen imstande waren. Wissenschaft traf sich mit frischer
Musizierpraxis, der Informationsgehalt war ebenso aufschlussreich
wie eine unakademische, gleichwohl fundierte Spiel-Lust.
Johann Sebastian
Bach, Clavier-Übung Theil 1 - Barocksaal Kloster Benediktbeuern,
Musiksommer im Loisachtal
Eberth beeindruckte mit makelloser technischer Souveränität
und stilistischer Kompetenz; alles war im Lot. Hier gelang
die Synthese von Klarheit, Präzision und Transparenz
einerseits und andererseits einer natürlich atmenden,
eloquenten, emotional anrührenden Klangrede.
Dies war eine klassisch schöne, aber dennoch ausdrucksstarke,
eindringliche Darstellung, mit sensible gestalteten Phrasierungen,
feinen Rubati und sicher gestalteter Ornamentik, trefflich
gestimmt und mit einer bemerkenswerten Plastizität
der polyphonen Strukturen.
Johann Sebastian
Bach, Goldbergvariationen - Schlossbergkonzerte Romanshorn
(CH)
Artikulation und Phrasierung, die modifizierten Tempi
und die grosse Variationsbreite des Anschlags dienten durchwegs
der klaren Zeichnung der vielfältigen Verzierungen
und der kontrapunktischen Linien sowie der Durchhörbarkeit
des Klangbildes
Johann Sebastian
Bach, Clavier-Übung Dritter Theil - Orgel von Bernhard
Edskes nach historischen Vorbildern - Pfarrkirche St. Peter
und Paul, Mittenwald, Musiksommer im Loisachtal
Michael Eberth zeigte sich als überlegener Meister
der Tasten, Pedale und Register, bot eine ebenso klare und
präzise wie differenzierte Interpretation der monumentalen
"Klavierübung", stellte die polyphonen Strukturen
und musikalischen Charaktere der Fantasien, Fugen und Inventionen
kraftvoll, plastisch und doch auch sehr klangsensibel dar
Unbeschränkte Bewunderung
gebührt Michael Eberth für seine konsequent-diszipliniert-souveräne
Interpretation von Bachs "Orgelmesse", die es
verdient hätte, als Tondokument von Modellcharakter
aufgezeichnet zu werden.
So gespielt wurde hörbar,
warum die Fachwelt in Entzücken gerät, wenn über
die neue Orgel gesprochen wird.
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